Rheinarbeiten
Himmelwärts strebt beides, sowohl der alte Kirchturm in Lülsdorf in dem die städtische Galerie von Niederkassel untergebracht ist, als auch am anderen Rheinufer die monströse Silhouette der Ölraffinerie. Doch sind sie gleichsam Grenzsteine unterschiedlicher Welten, Symbolisieren diesseits und jenseits. Dazwischen pendelt die kleine Personenfähre, und ebenso die Installation der Kölner Künstlerin Ulla Lückerath, die den alten Turm und den Fluß zu einem Gesamtkunstwerk über Himmel und Erde, Tod und Leben vereinte.
Der wohl publikumsträchtigste Teil der Ausstellung ist die Fähre selbst, deren Steuerhäuschen die Künstlerin mit Großfotos vom Gemäuer des Kirchturms kaschiert hat, um die mythologische Bedeutung von Fährschiffen als Brücke zwischen den Welten zu unterstreichen, während sich Fotos vom Schiff und leuchtend orangefarbene Rettungskissen im alten Turm wiederfinden. Die Welten durchdringen einander, und so empfängt die Antenne zum Himmel (der Kirchturm) in der ehemaligen Glockenkammer, die bei Ulla Lückerath zur ,Lauschkammer’ mit zehn Walkmen wird, auch ganz weltliche Signale. Neben dem Rauschen des Rheins und dem Gegurgel des Kielwassers der Fähre hat die Künstlerin auch Interviews von Passagieren aufgenommen, die von ihrem Alltag in Lülsdorf erzählen, womit, sagt die Künstlerin selbst, die inhaltsschwere Bedeutungsfülle relativiert werde.
Tatsächlich aber tritt die Bedeutungsfülle im Kontrast zum fast sachlichen Dokumentationscharakter mancher Installation, etwa des Raumes mit dem Thema ,Transporter in andere Welten’, zu denen auch die Mondrakete mit Formanalogie zum Kirchturm zählt, umso deutlicher hervor. Ebenso macht gerade die Konfrontation des alltäglichen Lebens mit metaphysischen Aspekten die Vergänglichkeit umso bewußter... Jedenfalls eine sehenswerte Ausstellung, mit der die Künstlerin das Umfeld in ihr Konzept plausibel einbezieht, es selbst zum Bestandteil ihrer multimedialen Kunst macht. Die Fähre als Kunstobjekt ist sozusagen fahrplanmäßig zu sehen,...
Günther Willscheid, 1997